Jason Day 01.11.2015

Major Day – Am Ende einer turbulenten Saison 2015 gibt es für Jason Day aus Australien genügend Gründe zum Strahlen. Der sympathische 27-Jährige, der schon mit einigen Höhen und Tiefen – privat aber auch als Sportler – zu kämpfen hatte, spielte ein Finish sondergleichen und befreite sich mit dem Sieg bei der PGA Championship vom Ruf oder gar Fluch, einer der besten Golfspieler der Welt ohne Major-Titel zu sein. Zwei weitere Erfolge bei The Barclays und der BMW Championship waren da noch die Sahnehäubchen obendrauf. Das einstige Golf-Wunderkind aus Down Under hat es allen gezeigt!

Jason Day

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Im Hause Day in Beaudesert im australischen Queensland herrschte ein bunter Kulturmix – Vater Alvin, der in einem Fleischverarbeitungsbetrieb sein Geld verdiente, hatte irische Wurzeln, Mutter Denning kam in den 1980er Jahren von den Philippinen nach Australien. Die Days hatten bereits eine Tochter mit Namen Kim und eine weitere, Yanna, sollte Jason, der am 12. November 1987 auf die Welt kam, später nachfolgen. Die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen und kaufte sich ihre Kleidung teilweise bei der Heilsarmee. Entsprechend einfach war die sportliche Erstausrüstung von Jason, der schon mit drei Jahren über seinen Vater erstmals mit Golf in Kontakt kam. Auch in der Folge musste in Sachen Golf improvisiert werden. Mit einem 3er-Holz aus dem Pfandhaus begleitete Jason drei Jahre später das Familienoberhaupt auf dem Platz des Beaudesert Golf Club – als Junior-Mitglied. Hier durfte der Sechsjährige sechs Löcher am Tag spielen, bevor die Familie 1995 nach Rockhampton umzog, wo Alvin für seinen Sohn ein Putting Green hinter dem Haus bastelte. Langsam offenbarte sich das riesige Talent des nun Achtjährigen, der begann, in den umliegenden Bezirken seine ersten Turniere zu gewinnen. Das glückliche Leben aber, das Jason Day zu diesem Zeitpunkt führte, nahm bald eine dramatische Wendung.

Der Schock

Er war gerade einmal zwölf Jahre alt, als sein Vater an Magenkrebs verstarb. Der Junge wurde dadurch total aus der Bahn geworfen, begann sich zu prügeln, zu trinken und bekam Probleme in der Schule. Seine Mutter, die die Familie mit diversen Jobs über Wasser hielt, hatte zwar nicht das dasselbe Gespür für sein golferisches Talent, wie es der Vater hatte, erkannte aber die dringende Notwendigkeit, dass sich im Leben ihres Filius etwas ändern musste, um eine Katastrophe abzuwenden. Sie nahm deshalb eine zweite Hypothek auf ihr Haus auf und schickte ihn auf die 700 Kilometer entfernte Kooralbyn International School, die Golf-Akademie, an der auch Adam Scott unterrichtet wurde. Weit weg von zu Hause hatte Jason hier eine entscheidende und wegweisende Begegnung, denn er lernte Colin Swatton kennen und fand unter dessen Anleitung als Golflehrer wieder die Freude an seinem Lieblingssport und auch einen neuen Lebenssinn. Gemeinsam wechselten sie an das Hills International College, als Kooralbyn geschlossen wurde. Swatton war für ihn nicht nur der Coach, sondern auch eine Art Vaterersatz, eine Beziehung, die bis heute Bestand hat, denn Day hatte in seiner Karriere noch nie einen anderen Trainer!

Zurück in der Spur

Inspiriert von einem Buch über sein Idol Tiger Woods ordnete Jason seinen Tagesablauf fortan komplett dem Golf unter und machte sich daran, ein unglaubliches Trainingsprogramm zu absolvieren. 32 Stunden in der Woche stand er nun auf dem Platz und begann Titel zu sammeln wie andere Briefmarken. Mit 13 Jahren gelang ihm 2000 bei den Australian Junior Masters sein erster großer Erfolg. Danach belegte er zweimal hintereinander den ersten Rang in der Australian Junior Order of Merit und wurde 2004 bei den Queensland Open als bester Amateur gleich Siebter. Von da an auch als Caddie stets an seiner Seite: sein Mentor, Freund und Trainer Colin Swatton! In der Folge gewann Jason Day in den USA in der Klasse der Jungen im Alter zwischen 15 und 17 die Callaway World Junior Championship. In diesem Jahr lernte er auch Ellie Harvey kennen, die in Mavis Winkle’s Irish Pub in Twinsburg in Ohio kellnerte. Day war hin und weg von der zwei Jahre älteren USAmerikanerin, aber mit seinen 17 Jahren viel zu schüchtern, um den Kontakt mit ihr zu halten. Er konzentrierte sich zunächst auf seine Karriere, die schnurstracks Richtung Profilager wies. Nach dem Gewinn des grünen Jacketts bei der Australian Master of the Amateurs 2006 in Melbourne war es soweit. Ausgestattet mit Verträgen von Adidas und TaylorMade wurde der 19-Jährige Berufsgolfer. Auf der Profitour setzte Day mit fünf gemeisterten Cuts bei sechs gesponsorten PGA-Auftritten schon mal eine Duftmarke, aber seine Tour Card musste er sich noch auf der zweitklassigen Nationwide Tour erspielen. Der Gewinn seines ersten Profititels bei der Legend Financial Group Classic 2007 brachte ihn dabei in zweierlei Beziehung entscheidend nach vorne. Als Fünfter der Geldrangliste sicherte sich der Australier die Spielberechtigung für die PGA Tour 2008 und außerdem traf er in Stonewater bei einer Party zufällig wieder auf seinen Schwarm Ellie Harvey, mit der es nun ernst wurde.

Erfolg in allen Lebenslagen

Während es privat für Jason Day großartig lief und er mit Colin Swatton als Trauzeugen 2009 Ellie vor den Traualtar führte, ließen Erfolge auf der Tour vorerst auf sich warten. Die Jungvermählten reisten in einem Wohnmobil und in Begleitung ihrer zwei Hunde von Turnier zu Turnier, zunächst noch mit mäßigem Erfolg. Erst ein Jahr später gewann Jason mit 22 Jahren als jüngster Australier aller Zeiten bei der HP Byron Nelson Championship seinen ersten PGA-Titel. Ein geteilter 10. Rang bei der PGA Championship im selben Jahr krönte die Saison. Day kam nun immer besser in Schwung und wurde sowohl beim Masters als auch bei den U.S. Open Zweiter. Der Griff nach den höchsten Golfweihen schien nur noch eine Frage der Zeit, obwohl ihm 2011 kein Turniersieg gelang. Genauso wenig wie im Folgejahr, dafür bekam Familie Day allerdings einen neuen Lebensmittelpunkt, als am 11. Juli 2012 ihr Sohn Dash James geboren wurde. Mit der neuen Motivation als junger Familienvater ging Day in die Saison 2013 und machte vor allem bei den Majors wieder von sich reden. Dritter beim Masters und ein geteilter zweiter Rang bei den U.S. Open ließen aufhorchen, aber ein Titel blieb aus. Die PGA Championship beendete er auf T8, während er bei den British Open lediglich einen soliden T32 belegte. Nichtsdestotrotz verlief die Saison zufriedenstellend, als ein erneuter familiärer Schicksalsschlag das Leben der kleinen Familie erschütterte.

Ein herber Verlust

Im November 2013 wütete über den Philippinen der Taifun „Haiyan“, durch den acht nahe Verwandte von Jason Day ihr Leben verloren. Mithilfe ihrer „Brighter Days Foundation“ für hungerleidende Kinder in Ohio unterstützten Jason und seine Frau Ellie die Opfer der Naturkatastrophe. Jason, der auch den Verlust seiner Großmutter zu beklagen hatte, bewältigte seine große Trauer auch mit seinem beruflichen Engagement als Golfprofi und bewies eine ungeheuerliche Nervenstärke, als er einige Wochen später bei der 2013 ISPS Handa World Cup of Golf sowohl den Einzel- als auch gemeinsam mit Adam Scott den Mannschaftstitel gewann. Im Februar 2014 gelang Day bei der WGC-Accenture Match Play Championship in San Francisco endlich auch wieder ein Sieg auf der PGA Tour.

Die Hexe ist tot

Zu Beginn dieser Saison machte er mit seinem Titel bei der Farmers Insurance Open von sich reden. Er kletterte auf den vierten Platz der Golfweltrangliste und schraubte die Erwartungen für die Majors nach oben. Dann ereigneten sich dramatische Dinge. In der zweiten Runde der U.S. Open kollabierte Day mit Schwindelgefühlen. Vollkommen unklar, ob er das Turnier überhaupt würde zu Ende spielen können, ging er am Samstag auf die Runde, um danach sensationell gemeinsam mit Branden Grace aus Südafrika und den beiden US-Amerikanern Jordan Spieth und Dustin Johnson das Feld mit drei Schlägen Vorsprung anzuführen. Allerdings ohne Happy End: Day rangierte am Ende nur auf T9. Auch bei den folgenden British Open spielte der Australier mit Wohnsitz in Ohio wieder einmal grandios auf und ging als Führender auf die Schlussrunde. Hier wurde ihm ein Putt am allerletzten Loch zum Verhängnis, den er um Zentimeter vorbei schob. Er verpasste das Playoff, erzielte aber mit T4 sein bisher bestes Ergebnis beim dritten Major der Saison. Doch der Sympathieträger vom fünften Kontinent trauerte den verpassten Chancen nicht lange hinterher, sondern gab weiter Gas. Nur eine Woche später nahm er den Titel bei der RBC Canadian Open mit nach Hause und Mitte August nutzte er die PGA Championship dann für die ganz große Show. In einem unglaublichen Turnier dominierte Jason Day auf dem schwierigen Whistling Straits Kurs die Konkurrenz und setzte mit Runden von 68, 67, 66 und 67 Schlägen einen neuen Major-Rekord von 20 unter. Der Einzige, der halbwegs Schritt halten konnte, war Jordan Spieth. Dieser meinte hinterher, jeder Versuch, Day einzuholen, sei von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen. Der Australier spielte an diesem Wochenende in seinem ganz eigenen Universum und feierte hochverdient und sehr emotional unter Tränen seinen ersten Major-Titel. „Ding dong the witch is dead“, twitterte er anschließend – seinen Dämon hatte er besiegt.

Er hat es wahr gemacht

Jason Day hatte es allen Zweiflern gezeigt und musste nun eigentlich nur noch eine Prophezeiung erfüllen, die er selbst vorgegeben hat. Als er 2007 im Alter von 19 vollmundig behauptete, Tiger Woods als Nummer 1 ablösen zu wollen, brachte ihm das nicht nur Sympathien ein. Da war viel von Überheblichkeit und Hybris die Rede, die Day allerdings ebenso cool und selbstbewusst konterte. Es sei schließlich der Traum eines jeden Golfers, in die Fußstapfen des damals quasi Unerreichbaren zu treten. Die Verhältnisse haben sich mittlerweile geändert. Tiger Woods ist nicht mehr der Maßstab, an dem sich die Golfelite zu messen hat. Jordan Spieth und Rory McIlroy lieferten sich einen interessanten Zweikampf um die Krone des aktuell weltbesten Golfers, mit diversen Wechselspielen. Doch Jason Day wollte ein Wort mitreden. Weil er das Gewinnen nicht sein lassen konnte! Er schob nur zwei Wochen später seinen vierten PGA-Titel bei The Barclays nach, um sich anschließend mit dem Sieg bei der BMW Championship dahin zu katapultieren, wohin ihn seine Ambitionen immer wiesen – an die Spitze der Weltrangliste. Allerdings nur für einen Moment, denn der Gesamtsieg im FedEx Cup blieb ihm verwehrt und er beendete die Saison 2015 deshalb auf Platz 2. Doch auch davon wird sich der Australier nicht lange betrüben lassen, denn gemeinsam mit seiner Frau Ellie freut er sich im November auf weiteren Familienzuwachs. Und wie ihn so ein Ereignis motivieren kann, haben wir ja schon einmal erleben dürfen! 2016 ist deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit wieder mit Jason Day zu rechnen – in Sachen Majors und auch in der Frage: Wer ist der beste Golfer der Welt?

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